Vor jedem dritten Haus steht irgendwann ein gelber Lastwagen. U-Haul, man mietet ihn für ein Wochenende, lädt das halbe Leben hinein und ist weg. Niemand findet das traurig. Es gehört dazu, wie das Wetter.
Die Häuser selbst halten ungefähr so lange wie eine Ehe — dreißig Jahre, dann kommt der Bagger. Sperrholz, Gipskarton, ein bisschen Farbe. Abreißen, neu bauen, an dieselbe Stelle. Altbauten gibt es eigentlich keine. Warum auch? Neubau ist günstiger und die alten Häuser haben keine dreifach Garage. Ein Altbau müsste ja erst einmal den Anspruch erworben haben, zu bleiben.
Adorno ist das in Kalifornien aufgefallen, im Exil. Die Bungalows sähen aus, schrieb er sinngemäß, als könnte man sie zusammenklappen und anderswo wieder aufstellen. Er meinte nicht die Architektur. Er meinte die Leute.
Denn die ziehen um. Dem Job nach, der Miete nach, der besseren Schule, der nächsten Chance, die natürlich woanders wartet. Ein Dutzend Mal im Leben, sagt die Statistik. Heimat ist dann nur noch das Wort für die Stadt, in der die Umzugskartons gerade stehen. Flexibel nennt man das. Es heißt: verfügbar.
Und da fängt es an, weh zu tun. Was Wert hat, braucht Zeit — es muss wachsen dürfen, ungestört, ohne dass alle paar Jahre jemand fragt, ob es sich noch rechnet. Aber genau das ist nicht vorgesehen. Der Mensch steht zur Disposition, beschädigt durch die Zwänge und Nöte des Kapitalismus, und mit ihm das Langsame, das Treue, das, was sich schlecht zu Geld machen lässt.
Die Schule macht es vor. Wie man sich bewirbt, wie man sich verkauft, wie man ein Gespräch übersteht — das lernt man dort gründlich. Aber das andere, das Verweilen bei einer Sache, bloß weil sie es wert ist, ohne Zweck, ohne Ertrag? Dafür ist kein Etat da. Bildung kostet und bringt nichts ein. Also fällt sie weg. Und mit ihr fällt weg, was ein Land im Innersten zusammenhält.
Wer alles dreißig Jahre lang abreißt, reißt sich irgendwann selbst ab. Was bleibt, ist eine Baustelle. Hell beleuchtet, gut besucht — und ohne Erinnerung daran, was vorher da stand.
